Ich könnte mir einen Mann aus der Gegend suchen, um mich über Wasser zu halten, aber es scheint mir so viel Arbeit. Bei Eric habe ich die Arbeit schon investiert. Er weiß, wann ich das erste Mal meine Tage bekam, und ich weiß, dass er nett zu Bedienungen ist, und ich habe keine Lust, einem Fremden den Schwanz zu lutschen, der vielleicht schon mal eine Kellnerin zum Weinen gebracht hat.

Raven Leilani / Hitze

Nichts. Nichts wird sich ändern. Wir werden morgens aufwachen, wir werden arbeiten gehen, weil wir weiterhin unsere Miete bezahlen müssen, wir werden essen, trinken, Liebe machen wie vorher. Wir sind blind für alles, was beweisen könnte, dass wir uns irren. Das ist menschlich. Wir sind nicht rational. (…) Wir sind bereit, die Tatsachen zu verdrehen, wenn es darum geht, ein Spiel nicht ganz verlorenzugeben. Wir wollen noch auf die geringste unserer Ängste eine Antwort, und wir wollen ein Mittel, die Welt zu denken, ohne unsere Werte, unsere Emotionen, unsere Handlungen in Frage zu stellen. Nehmen Sie den Klimawandel. Wir hören nie auf die Wissenschaftler. (…) Nichts ändert sich. Die Reichen zählen darauf, alleine, und gegen alle Vernunft, davonzukommen, und den anderen bleibt die Hoffnung.

Hervé le Tellier / Die Anomalie

Eines Tages werden sie versuchen, Umgehungsstraßen um Avebury zu bauen und Tunnel unter Stonehenge. Es wird Parkplätze und Autohöfe und Cafés und Souvenirläden geben. Sie haben schon einen Zaun drum herum gezogen. Seit fast fünftausend Jahren steht es da, und auf einmal kann man uns nicht mehr in seine Nähe lassen. Wart’s nur ab, die werden bald jeden Berg für Autos öffnen und den Leuten Geld abknöpfen, wenn sie in Seen springen wollen. Profit, das ist das Einzige, was sie interessiert – nicht Erde oder Steine oder Berge oder Hohlwege. (…) Die glauben an Geld, aber wir glauben an etwas Größeres: Wahrheit und Schönheit. Das bringt uns auf die richtige Seite der Geschichte.

Benjamin Myers / Der perfekte Kreis

Man bemerkt, dass man für die wenigsten seiner Erfolge wirklich verantwortlich ist, dass man zwar arbeiten und die Arbeit ernst nehmen kann, aber letztlich nicht zu kontrollieren vermag, wie viel Erfolg man mit ihr hat. Dass man gerührt, betroffen und verwirrt sein kann von Kunst, die jetzt entsteht, und von Kunst, die vor 500 Jahren entstanden ist. Dass Bücher von Flaubert und Tolstoi tatsächlich so etwas wie lebensverändernde Lektüren sind. Wie unfassbar gut eine einfache Mürbeteigtarte mit Crème Patissière und Walderdbeeren im Frühjahr schmeckt, wie herrlich die ersten, kleinen Haricots Verts im Sommer sind, was für eine Offenbarung selbst gesammelte Steinpilze im Herbst.

Ich kenne diesen Blick aufs Leben auch von früher, die meiste Zeit während meines Trinkens aber war er mir verstellt. Wenn dieser innere Blick dominiert, bemerke ich beim Spazieren im Park tatsächlich, wie die Jahreszeiten sich langsam wandeln, dass nichts jeden Tag gleich aussieht. Dann können mich meine Patenkinder zum Lachen bringen und ich empfinde Glück, wenn ich die Zeit mit alten Freunden verbringe, die ich schon als Teenager gekannt habe, und sehe, dass das alles schon irgendwie ganz gut ist, wie es ist.

Daniel Schreiber / Nüchtern

Wenn überhaupt, litten Frauen an der Seite ihrer Männer unter Alkohol, als Ehefrau nämlich. Mehr noch als das kritisiert sie das sich an ein übergroßes männliches Ego richtende Grundprinzip der Anonymen Alkoholiker, nämlich das Eingeständnis der eigenen Schwäche. Ihr zufolge muss eine Frau nicht erst gebrochen werden, um zur Heilung zu gelangen, weil sie es bereits ist. Frauen hätten viele Probleme, ein zu großes Ego gehöre in der Regel nicht dazu. Alles, was die AA forderten – Demut, Reue, seinen eigenen Empfindungen zu misstrauen -, gehöre zur weiblichen Grundausstattung.

Eva Biringer / Unabhängig – Vom Trinken und Loslassen

Acht Jahre, an die ich kaum Erinnerung hatte. So, als wäre ich damals in einen Kollektor und letzte Woche erst wieder aus der Tür ins Licht gestiegen. Meine Jugend war irgendwann einfach zu Ende gegangen und ich nun für alle Zeiten erwachsen. Tapfer sein. Durchhalten. Sich nicht komplett verbiegen lassen. Und am Ende einfach sterben.

Domenico Müllensiefen / Aus unseren Feuern

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