Man bemerkt, dass man für die wenigsten seiner Erfolge wirklich verantwortlich ist, dass man zwar arbeiten und die Arbeit ernst nehmen kann, aber letztlich nicht zu kontrollieren vermag, wie viel Erfolg man mit ihr hat. Dass man gerührt, betroffen und verwirrt sein kann von Kunst, die jetzt entsteht, und von Kunst, die vor 500 Jahren entstanden ist. Dass Bücher von Flaubert und Tolstoi tatsächlich so etwas wie lebensverändernde Lektüren sind. Wie unfassbar gut eine einfache Mürbeteigtarte mit Crème Patissière und Walderdbeeren im Frühjahr schmeckt, wie herrlich die ersten, kleinen Haricots Verts im Sommer sind, was für eine Offenbarung selbst gesammelte Steinpilze im Herbst.
Ich kenne diesen Blick aufs Leben auch von früher, die meiste Zeit während meines Trinkens aber war er mir verstellt. Wenn dieser innere Blick dominiert, bemerke ich beim Spazieren im Park tatsächlich, wie die Jahreszeiten sich langsam wandeln, dass nichts jeden Tag gleich aussieht. Dann können mich meine Patenkinder zum Lachen bringen und ich empfinde Glück, wenn ich die Zeit mit alten Freunden verbringe, die ich schon als Teenager gekannt habe, und sehe, dass das alles schon irgendwie ganz gut ist, wie es ist.
Daniel Schreiber / Nüchtern