Das Fragment, wissen wir, ist das unendliche Versprechen der Romantik, das noch immer wirkmächtige Ideal der Moderne, und die Dichtkunst seither wie keine andere literarische Gattung mit der vielsagenden Leere, dem die Projektionen nährenden Weißraum, verbunden. Gleich Phantomgliedern scheinen die Punkte mit den Wörtern verwachsen, behaupten eine verlorene Vollkommenheit. Unversehrt wären uns Sapphos Gedichte so fremd wie die einst grellbunt bemalten antiken Skulpturen.

Judith Schalansky / Sapphos Liebeslieder (aus: Verzeichnis einiger Verluste)

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