In meiner Erinnerung verschmelzen all die Kneipen zu einer einzigen. Eine verrauchte Wartehalle ist das, mit vergilbten Tapeten und blinden Fenstern, Toiletten übern Hof, alles wirkt wie in Staub gefallen und vorbei. Ein trauriger Ort, an dem alle Sehnsüchte nach dem Eintreten rechts neben der Tür wie Schirme an Kleiderhaken gehängt und meist vergessen werden. Es atmet sich schwer dort, wo die Luft von Biernebel und Zigarettendunst undurchdringlich geworden ist. An den Tischen sitzen unbeweglich Menschen, manchmal in Gruppen, meist allein. Und selbst wenn die Sonne scheint, draußen vor der Tür, bleibt drinnen alles trübe. Es gibt keine Jahreszeiten und keine Wochentage, kein morgens oder abends. Nur zähes Warten. Darauf, dass der Wirt die Aschenbecher leert, ein neues Bier zapft, abkassiert, jemand hereinkommt, hinausgeht, irgendwas passiert.
Manja Präkels / Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß